Die Gründung der Deutschen Gesellschaft für Krankenhausgeschichte geht auf die hartnäckige Initiative des Anatomen, Medizin- und Kunsthistorikers Robert Herrlinger (1914-1968) (siehe auch Wikipedia) zurück. Gemeinsam mit Herrmann Voss, Anatom (1894-1987) (siehe auch Wikipedia), seit 1941 Ordinarius für Anatomie und Dekan der Reichsuniversität Posen (Poznań in Polen, nach der Annektion im Polenfeldzug Hauptstadt des „Reichsgau Wartheland“) publizierte er 1946 ein Taschenbuch der Anatomie, das bis 1975 insgesamt 15 Auflagen erlebte. Voss und Herrlinger profitierten von ihrer Kooperation mit der Gestapo, indem sie an Exekutionen von polnischen Häftlingen teilnahmen, um unmittelbar anschließend Präparate anzufertigen.

Nach dem Ende der Diktatur hielt Herrlinger seit 1951 Vorlesungen in Geschichte der Medizin und fungierte als kommissarischer Direktor des Würzburger Instituts für Geschichte der Medizin. Mit einem Sondervotum versuchten der Psychiater Heinrich Schneller, der Internist Ernst Wollheim sowie der Pädiater Josef Ströder die Ernennung Robert Herrlingers zum außerordentlichen Professor in Würzburg erfolglos zu verhindern.

Die Medizingeschichte, so das Sondervotum, habe die Aufgabe, insbesondere die ethische Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses durch historische Reflektion auf ihre Wurzeln sicherzustellen, was Herrlinger nach seinen Aktivitäten an der Reichsuniversität Posen nicht zuzutrauen sei. Im Berufungsverfahren für den Heidelberger Lehrstuhl für Geschichte der Medizin 1962 erlangte Herrlinger Platz zwei, folgte aber dem in Heidelberg erfolgreichen Schipperges in Kiel, wo er im Februar 1968 erst 53jährig einem Herzinfarkt erlag.