Die Gründung der Deutschen Gesellschaft für Krankenhausgeschichte geht auf die hartnäckige Initiative des Anatomen, Medizin- und Kunsthistorikers Robert Herrlinger (1914-1968) zurück. Bereits seit den 1950er Jahren begleitete Herrlinger die Aktivitäten des Centro Italiano di Storia Ospitaliera, aus dem 1958 auch die Gründung der Société Française d‘Histoire des Hôpitaux angeregt wurde. Im Sommer 1960 wurde Herrlinger auf einer Tagung in Reggio Emilia zum Sprecher einer Gruppe, die sich vornahm, eine deutsche Gesellschaft für Krankenhausgeschichte zu etablieren. Dies gelang nach einer Veranstaltung auf dem Kölner Krankenhaustag 1962 schließlich im Juli 1963 und mit maßgeblicher Unterstützung der Deutschen Krankenhausgesellschaft – die ebenso wie die neugegründete Gesellschaft für Krankenhausgeschichte ihren Sitz in Düsseldorf hatte.

Zu den Gründungsmitgliedern gehören etwa der Jurist und Politiker Wilhelm Adam (1906-1989), 1938 Regierungsrat im Reichsministerium des Innern, 1939 Landrat des Kreises Schweidnitz (Schlesien) und nach seiner Entlassung aus sowjetischer Gefangenschaft seit 1949 bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft, für die er bis 1971 als Hauptgeschäftsführer in Düsseldorf fungierte. Als Stellvertrer Herrlingers in der neu gegründeten Gesellschaft amtierte Prälat Werner Mühlenbrock (1908-1990) (siehe auch Ärzteblatt), 1940 Diözesancaritas-Direktor in Trier, 1951 Leitung des Deutschen Caritas-Instituts für Gesundheitsfürsorge in Köln und Mitbegründer und mehrmaliger Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Eine Satzungsänderung 1966 führte die Position eines weiteren stellvertretenden Vorsitzenden ein, die nicht nur aus Gründen der konfessionellen Parität Landeskirchenrat Walter Schian (1905-1993) übernahm. Die Geschäftsführung der Gesellschaft für Krankenhausgeschichte hatte im Juli 1964 Hanns Joachim Wirzbach (1928-1998) übernommen, 1954 zunächst Mitarbeiter der CDU-Bundesgeschäftsstelle in Bonn und Geschäftsführer des Bundesgesundheitsausschusses der CDU, seit 1964 stellvertretender Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen und dann Geschäftsführer, seit 1972 stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft und seit 1973 stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Daneben zählten aus der Krankenpflege die Generaloberin der Caritas-Schwesternschaft, Elisabeth Mendéra (Freiburg) sowie Oberin Eva-Anita Schroeder (Hildesheim) und Oberin Hildegard Pautsch (Köln), aus dem ärztlichen Verbandswesen Karl Jeute, Sekretär des Verbandes der Leitenden Krankenhausärzte, der Archivar des Deutschen Krankenhausinstituts Karl-Heinz Hunger, die Oberregierungsbauräte Rudolf Jaeger und Jürgen Cruse aus Kiel und der Architekt Hansgeorg Knoblauch (Hinterzarten) sowie nicht zuletzt aus der Medizingeschichte Dieter Jetter, seinerzeit Heidelberg, Leo Norpoth, Essen, sowie Johannes Steudel, Ordinarius für Geschichte der Medizin in Bonn zu den 28 Gründungsmitgliedern. Die der Zahl der Gründungsmitglieder nach exklusive Gesellschaft war exzellent vernetzt. Entsprechend attraktiv wurde die Mitgliedschaft: Die erste Mitgliederliste vom 31. Januar 1966 zählt bereits 66 persönliche Mitglieder, einschließlich der „korporativen Mitglieder“ hatte die Gesellschaft bereits 101 Mitglieder. Die „organisatorischen Kinderkrankheiten“ waren bald überwunden.

Aktivitäten

Bereits früh entdeckte die Gesellschaft ihre Lust am Reisen und an hospitalhistorischen Exkursionen. Zusätzlich zur gemeinsamen Tagung des „Arbeitskreises für Krankenhausgeschichte in der Deutschen Krankenhausgesellschaft“ mit der Deutschen Gesellschaft für Krankenhausgeschichte wurde auf dem 4. Deutschen Krankenhaustag im Mai 1966 in Stuttgart eine „Exkursion (mit Autobus)“ zu Hospitälern im fränkisch-schwäbischen Grenzraum angeboten. Die Exkursion – ein Heimspiel für den Vorsitzenden Robert Herrlinger – war außerordentlich erfolgreich. Angesichts von 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, darunter eine Gruppe von Schwesternschülerinnen und ihrer Lehrschwester musste sogar ein zweiter Bus beschafft werden. Eine erste Exkursion ins europäische Ausland führte 17 Mitglieder der Gesellschaft im Oktober 1971 nach Flandern. Dank der engen Verbindung zur Deutschen Krankenhausgesellschaft konnten auch zum fünften und sechsten Krankenhaustag im Juni 1969 in Düsseldorf sowie im Mai 1971 in Stuttgart krankenhaushistorische Symposien veranstaltet werden, was sich insbesondere organisatorisch und finanziell als außerordentlich günstig darstellte. Nicht zuletzt war nach dem plötzlichen Tod Herrlingers 1968 der Vereinsvorsitz an den umtriebigen Düsseldorfer Ordinarius für Geschichte der Medizin, Hans Schadewaldt (1923-2009) (siehe auch Wikipedia), übergegangen, so dass die Deutsche Gesellschaft für Krankenhausgeschichte nun am gleichen Ort wie die Deutsche Krankenhausgesellschaft ihre Federführung hatte.

Früh bemerkbar werden schließlich Bemühungen, Historia Hospitalium von einem reinen Mitteilungsblatt der Gesellschaft zu einer medizinhistorischen Zeitschrift zu entwickeln, die neben einzelnen Buchbesprechungen auch eine Auswahlbibliographie der Neuerscheinungen aus dem Bereich der Hospital- und Krankenhausgeschichte enthält. Der erste Beitrag in Historia Hospitalium mit einem zweistelligen Seitenumfang erschien in Historia Hospitalium 5 (1970) unter dem Titel „Krankenhausbau im 19. Jahrhundert, ein Beitrag zur Krankenhausarchitektur“. Er stammt aus der Feder von Axel Hinrich Murken (* 1937) (siehe auch Wikipedia), seinerzeit Assistent bei Schadewaldt in Düsseldorf, wo sich Murken 1973 mit einer krankenhaushistorischen Arbeit habilitierte und von 1978 bis 2009 den Vorsitz der Deutschen Gesellschaft für Krankenhausgeschichte führte.

Die DGKG in den Jahren 1978 bis 2009

Im Oktober 1978 wurde der damals in Münster lehrende Mediziner und Kunsthistoriker Axel Hinrich Murken zum Nachfolger Schadewaldts als Vorsitzender gewählt. Während seiner Zeit als Vorsitzender veranstaltete er alle zwei Jahre stattfindende internationale Symposien und Exkursionen, an denen häufig mehr als 50 Personen teilnahmen. Ziel dieser Aktivitäten ist es bis heute, historisch bedeutsame Schauplätze der Hospital- und Krankenhausgeschichte in ganz Europa mit der Unterstützung von ausländischen Medizin- und HospitalhistorikerInnen kennenzulernen. Das im Mai 1966 als Mitteilungsblatt gegründete Journal Historia Hospitalium entwickelte sich unter seiner Herausgeberschaft von 1972-2010 zu einem Jahrbuch mit zahlreichen Beiträgen zu allen Bereichen der Krankenhausgeschichte. Die Aufsätze und Berichte wurden sowohl von Architektur-, Medizin- und SozialhistorikerInnen als auch von engagierten ÄrztInnnen und KrankenpflegerInnen verfasst.

Als er 2009 mitteilte, nach über 30 Jahren nicht erneut als Vorsitzender zu kandidieren, wählte die Mitglieder­versammlung Axel Hinrich Murken zum Ehrenvorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Krankenhausgeschichte.

Entwicklung seit 2009

Auf der Mitgliederversammlung im Mai 2009 wurde als neuer Vorsitzender der Chefarzt Ernst Kraas (*1941) als erster aktiver Arzt ohne historische Fachausbildung gewählt. Er brachte die Themen der sozioökonomischen Entwicklung des Krankenhauses sowie der Kunst im Krankenhaus verstärkt in die Gesellschaft ein. Bald darauf wurde 2011 eine vom Vorsitz unabhängige Redaktion von „Historia Hospitalium“ von den langjährigen Vorstandsmitgliedern Christina Vanja (*1952) und Gunnar Stollberg (1945-2014) etabliert, um das historisch-wissenschaftliche Profil der wichtigsten Publikation der Gesellschaft zu schärfen. Nach dem Tod Stollbergs 2014 übernahm Florian Bruns dessen Aufgabe in der Reaktion. Es gelang Kraas während seines Vorsitzes außerdem, den Förderpreis der Deutschen Gesellschaft für Krankenhausgeschichte zu etablieren, mit dem seit 2013 Leistungen des wissenschaftlichen Nachwuchses auf dem Gebiet der Hospital- und Krankenhausgeschichte ausgezeichnet werden.

Im Mai 2014 hat Fritz Dross (*1965) die Nachfolge von Ernst Kraas im Vorsitz der Deutschen Gesellschaft für Krankenhausgeschichte übernommen.