10. bis 13. Oktober 2018 in Berlin
„1968“ und die Medizin – 50 Jahre Klinikum Steglitz
Charité: 50 Jahre Campus Benjamin Franklin

Charité: 50 Jahre Campus Benjamin Franklin
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Tagungsbericht von Paola Gozzi und Andreas Jüttemann auf HSozKult

steglitzZu ihrem 24. Symposium traf sich die Deutsche Gesellschaft für Krankenhausgeschichte in Berlin. Anlass war der 50. Jahrestag der Eröffnung des Klinikum Steglitz als Universitätsklinikum der Freien Universität Berlin im Jahr 1968. Wir wurden damit Teil der Jubiläumsfeierlichkeiten, die ein Team um Prof. Dr. Thomas Beddies und Dr. Andreas Jüttemann vom Berliner Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin vorbereitet hatte – und trugen unseren Teil zur historischen Vertiefung der Feierlichkeiten bei. Bereits zur Eröffnung wurde dieser Rahmen deutlich, für den wir auf die offizielle Ausstellungseröffnung der Jubiläumsausstellung im Foyer des Steglitzer Hauses einladen durften.

Der erste Kongresstag war Vorträgen zur Gründungsperiode des Klinikums Benjamin Franklin von Andreas Jüttemann, Gunnar Klack, Florian Bruns und Eva Brinkschulte gewidmet. Eine gründliche Führung von Regierungsbaudirektor i.R. Christoph Decker führte uns von den Hochgeschossen mit herrlichem Ausblick über den Südwesten Berlins bis in die Kellergeschosse des Hauses, dem Herz der umfangreichen Versorgungsinfrastruktur. Zum Abend waren wir in der Hörsaalruine des Berliner medizinhistorischen Museums der Charité bei Prof. Thomas Schnalke zu Gast, der uns durch die Sonderausstellung „scheinTOT. Über die Ungewissheit des Todes und die Angst, lebendig begraben zu werden“ führte. Bereits in den zweiten Tagungsteil über „1968 und die Medizin“ überleitend, berichtete Herr Prof. Frank Makatas aus seiner aufregenden Zeit als Ärztlicher Direktor des Steglitzer Klinikums. Als die Professoren 1972 die Wahl zum Ärztlichen Direktor boykottierten, wurde Makatas als erster Assistent in dieser Funktion Ärztlicher Direktor des seinerzeit größten deutschen Universitätsklinikums.

Fportal berlinür den zweiten Kongresstag trafen wir uns auf dem Dahlemer Campus im Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin. Gegenstand der Vorträge von Ralf Forsbach, Livia Prüll, David Freis, Udo Schagen und Frank Eckardt war das übergreifende Thema „1968 und die Medizin“. Am Nachmittag besuchten wir den Krankenhausstandort Berlin-Buch, wo seit 1898 auf einem riesigen Gelände zwei psychiatrische sowie zwei Lungenheilanstalten und ein Pflegeheim geplant von dem Berliner Stadtbaurat Ludwig Hoffmann entstanden waren. Gleich nebenan hatten die Hirnforscher Oskar und Cécile Vogt 1929 das Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung etabliert, heute ist an dem 32 Hektar großen Standort ein Biotechnologiepark als Campus Berlin-Buch der Charité entstanden, der unter anderen das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin beheimatet. Zum Abschluss haben wir am Samstag die ehemaligen Heilstätten Beelitz besichtigt. Dort waren 1902 durch die Landesversicherungsanstalt die Beelitzer Heilstätten mit 600 Betten entstanden waren. Nach dem zweiten Weltkrieg an die Rote Armee übergegangen, befand sich auf dem Gelände bis 1994 deren größtes Militärhospital außerhalb der Sowjetunion – dort verbrachte der erkrankte Erich Honecker von April 1990 bis März 1991 sein letztes Jahr in Deutschland, bevor er nach Moskau und schließlich nach Chile ausgeflogen wurde. Inzwischen ist der größere Teil der Baulichkeiten verwildert und verfallen und ein beliebte Kulisse für Fotografen.